Flora: Also das ist doch unglaublich
Ignatius Wie meinen?
Flora: Die bewerten doch tatsächlich die Inszenierung von diesem Schramm als gelungen.
Ignatius: Welche Inszenierung?
Flora: Eine derart stümperhafte Aufführung ist ein regelrechter Skandal.
Ignatius: Von welchem Stück sprechen Sie?
Flora: Phaidras Liebe. Das kennen Sie doch, nicht wahr?
Ignatius: Ja sicher, das ist doch von diesem...
Flora: (sie blättert in der Zeitung) Sarah Kane
Ignatius: Ja genau. Und was ist jetzt mit diesem Stück?
Flora: Mit dem Stück ist nichts. Es ist dilettantisch inszeniert. Das sagt übrigens auch Markus Bauer. Und er muss es wissen. Schließlich ist er der beste Theaterkritiker weit und breit.
Ignatius: Markus Bauer. Natürlich. Und warum finden Sie es jetzt schlecht?
Flora: Weil es Schramm nicht gelungen ist, das Beste aus den Schauspielern herauszuholen. Immerhin sagt der große Peter Brook „Der Schauspieler muss jeden Aspekt seiner Persönlichkeit einsetzen“. Und die Figuren in dieser Inszenierung sind, um es schmeichelhaft auszudrücken, blass. Schramm ist es nicht gelungen, in seinen Schauspielern die Seele des Spiels zu erwecken. Es fehlt die Authenzität des Augenblicks. Schramm ist einfach kein guter Regisseur. Da hilft alles Schönreden nichts.
Ignatius: Haben Sie das auch so rezipiert?
Flora:

Ja woher soll ich das wissen? Ich habe das Stück doch gar nicht gesehen. (Pause)

Aber mein Lebensgefährte, übrigens selbst Regisseur, hat es gesehen und gesagt, dass Schramm der schlechteste Regisseur ist, den er kennt. Und er muss es ja schließlich wissen, so von Regisseur zu Regisseur. Nicht wahr?